Rural Coworking Barcamp

„Ich glaube ich bin hier der Einzige, der nicht weiß, was Hashtag heißt“, gestand ein Teilnehmer gleich bei der Vorstellungsrunde und fügte hinzu: „Aber ich werde es im Laufe des Tages herausfinden.“ So kann es einem mit den szenetypischen Vokabeln – Hashtag, Barcamp, Keynote – leicht gehen, doch wer sich davon abschrecken lässt, verpasst etwas. Denn am Freitag, 15. Juni 2018, waren sie in aller Munde:

Wir waren zu Besuch im Rural Coworking Barcamp und haben den Schreibtisch in Prüm in schönster bayrischer Kulisse am Ammersee vertreten. Veranstaltet vom Innovationsforum BIGHub und dem Denkerhaus, steckte die Atmosphäre voller Ideen und frischem Unternehmertum. Der Tag war dem Austausch zum Thema Coworking im ländlichen Raum gewidmet.

 

Die Zahl der Coworking Spaces steigt

Gleich zur Eröffnung stimmte Tobias Kremkau mit einer Keynote-Rede auf das Thema des Tages ein. Der erste Coworking Space startete im August 2005 in San Francisco. Noch im selben Jahr eröffnete mit dem St. Oberholz in Berlin der heute älteste Coworking Space Deutschlands. Seitdem verbreitet sich die Idee und in den nächsten zwanzig Monaten wird sich die Zahl der Orte, die sich dem Coworking widmen, verdoppeln. Für Tobias Kremkau – ein Mitgründer der German Coworking Federation – ist das Konzept eine Kultur, die das Miteinander von Menschen gestaltet. Und er bezeichnete den Coworking Space als den vierten Ort der Arbeit, neben 1) Zuhause, 2) Fabrik und Büro und 3) dem Café. Der konkreten Form sind dabei keine Grenzen gesetzt: So sind schon Bibliotheken, Hotel-Lobbys, Einkaufszentren, Bankfilialen und Zugabteile umfunktioniert worden.

Wie auch immer man einen Coworking Space für sich nutzt, sei es zur Arbeitswegverkürzung, wegen des Austauschs, der günstigen Anmietung oder weil der Kaffee so gut schmeckt – das allgemeine Verständnis von Arbeit(sweisen) ist in Bewegung gekommen. Das beweist auch die Vielfalt der Ideen und Menschen, beim Barcamp: Von erfahrenen Urgesteinen zu Neugründerinnen und Forschern kamen alle am Ammersee zusammen.

Keynote

Drei Betreiber, drei Konzepte

Matthias Zeitler von Coworking Bansko vertrat seinen bulgarischen Coworking Space. Seine Hauptkunden sind digitale Nomaden, die die Flexibilität so sehr zur Tugend gemacht haben, dass sie durch die Welt touren und von überall arbeiten. Andere nutzen die Möglichkeit dort in den Bergen weitab vom Alltag intensiv an Projekten zu arbeiten, ob alleine oder im Team. Sie alle bleiben im Durchschnitt vier Wochen am Stück. Und alle profitieren von der großartigen Landschaft.

Aus der Schweiz waren zwei Botschafterinnen von Village Office angereist. Village Office ist ein Netzwerk für Coworking Spaces in der Schweiz, sie beraten dort Gründer und Unternehmen und haben sich der Förderung und Vermittlung verschrieben.

Die Cowork Group GmbH betreibt nicht nur die Denk-Stube in der Tübinger Innenstadt, sondern auch Coworking-Nagold und ab dem 1. August den GRÜNDERSAAL, die sich beide eher in der Peripherie befinden. Dahinter steckt u.a. das Bestreben, den Nutzern, die aus dem Umland in den städtischen Space kommen, den Weg zu verkürzen und eine Alternative anzubieten, die näher an ihrem Wohnort liegt. Eine weitere Expansion ist im Bereich Neckar-Alb geplant.

 

Wo fängt das Land an?

Coworking Spaces auf dem Land sind so unterschiedlich wie die Definitionen von “auf dem Land”. Eine verbreitete Ausrichtung ist die auf Städter, die abseits des Alltags einen Ort für Projektarbeit oder eine Möglichkeit zur Kombination von Arbeit und Urlaub suchen (dazu dieser Beitrag zu Coworking auf Mallorca). Retreat und Coworkation sind hier die Stichworte. Auffällig oft begegneten uns bei diesem Barcamp auch Projekte, die sich auf die Speckgürtel großer Städte wie München und Berlin konzentrierten, wobei Pendler eine große Rolle spielen.

Der Exot aus der Eifel

Unser Schreibtisch in Prüm war in dieser Runde nahezu exotisch. Ohne Speckgürtel, Coworkingdorf und Südseelage stellen wir uns in der Eifel anderen Herausforderungen. Der Standort formt einen Coworking Space immens und muss bei einer Neugründung immer mitgedacht werden – besonders wenn die Menschen vor Ort einbezogen werden sollen. Fern der Metropolen gehen die Uhren ein bisschen langsamer und Offline-Kommunikation ist ein wichtiger Faktor. Aber wenn sich der lange Atem beginnt auszuzahlen, entsteht eine Coworking-Insel – zum Beispiel inmitten der schönen Eifel.

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