Angebot, Nutzer, Erfolgsfaktoren und Umfeld

Was schätzen die Nutzerinnen und Nutzer von Coworking Spaces besonders? Was für Angebote gibt es und wie kann gerade der ländliche Raum davon profitieren und was eignet sich speziell für die Stadt Prüm? Um diese Fragen ging es in zwei Workshops im März und Februar 2017, die wir hier für Sie dokumentiert haben.

 

1. Workshop „Coworking Spaces in ländlichen Regionen“ am 8. Februar 2017

Ergebnisse im Workshop „Coworking Spaces in ländlichen Regionen“ am 8. Februar 2017 mit Univ. Prof. Prof. h. c. Dipl.-Ing. Dietmar Wiegand (TU Wien),  Rainer Zeimentz, Carolin Oldenstein, Markus Bauer

 

Wann ist der Coworking Space ein guter Coworking Space, aus Sicht der CoworkerInnen (C), der Politik (P), der Betreiber und Dritter (D)? 

Ergebnis: Bewertungsmatrix für den Erfolg des Coworking Spaces:

CoworkerInnen bestätigen folgende Effekte der Nutzung des Coworking Spaces für sie:

  1. die Vereinbarkeit von Leben und Arbeit (ggf. von Familie und Beruf) resp. die Work-Life-Balance wurde verbessert (C) | Gewichtung mit Faktor 3
  2. Betreuungsphasen z.B. von Kindern oder Senioren wurden ermöglicht oder vereinfacht (C) | Gewichtung mit Faktor 3
  3. die Lebensqualität hat zugenommen (C, P) | Gewichtung mit Faktor 3
  4. die Vernetzung mit anderen für Leben, Familie, Arbeit o.ä. wichtigen Personen und Organisationen wurde verbessert (C) | Gewichtung mit Faktor 3
  5. die Häufigkeit berufsbedingten Pendelns resp. der Pendlerverkehr wurde reduziert (C, P) | Gewichtung mit Faktor 3
  6. neue Ideen und Innovation wurden angestoßen (C, P, D) | Gewichtung mit Faktor 3
  7. die Möglichkeit der Gründung eines Unternehmens (gewinnorientiert, nicht gewinnorientiert), eines Vereins o.ä. wurde angestoßen und ggf. ermöglicht (Beitrag zur Gründerkultur) (C, P) | Gewichtung mit Faktor 2
  8. die Effizienz im Unternehmen, bei der Betreuung von Personen o.ä. wurde verbessert (C) | Gewichtung mit Faktor 2
  9. Wissen wurde mit Dritten geteilt (C) | Gewichtung mit Faktor 2
  10. Eine Kultur des Teilens wurde angestoßen (C) | Gewichtung mit Faktor 2

CoworkerInnen oder die erhobenen Daten bestätigen folgende Eigenschaften des Coworking Spaces [Begriffe zu erläutern]:

  1.  fördert Diversität (P, C) | Gewichtung mit Faktor 1
  2.  fördert soziale Inklusion (P, C) | Gewichtung mit Faktor 1
  3.  fördert Gemeinschaft/wir-Gefühl (P, C) | Gewichtung mit Faktor 1

Bewertungskriterien aus Betreibersicht [Benchmarks zu präzisieren und zu quantifizieren]:

  1.  Anzahl des Jahresverträge (B) | Gewichtung mit Faktor 3
  2.  Anzahl der Events (B) | Gewichtung mit Faktor 3
  3.  Nutzerfrequenz des Arbeitsplätze (B) | Gewichtung mit Faktor 2
  4.  Bekanntheit (B) | Gewichtung mit Faktor 3

Mittelfristiges Ziel der EA:

  • Aufbau von qualifizierten Betreibern (Nachahmern) resp. Capacity Building im Bereich Betreiber ländlicher Coworking Spaces

Auf der Meta-Ebene: Der Coworking Space will nicht nur vorhandene Bedarfe befriedigen, sondern hat den Anspruch den ländlichen Raum zu verändern, z.B. ihn wirtschaftlich zu beleben.

 

Welcher Typ von Coworking Space hat in Prüm Erfolgschancen bzw. ist gewünscht? 

In ländliche Coworking Spaces werden häufig vor Ort vorhandene Herausforderungen durch lokale Akteure gelöst – von Betreuungssituationen bis zu Innovation und Effizienzsteigerungen bei Kleinunternehmen. Die NutzerInnnen und KundInnen kennen sich häufig bereits vor dem Eintritt, sind Nachbarn.

Bisher ist bezogen auf Prüm zu wenig zu den genannten Aspekten bekannt, um Aussagen zur konkreten inhaltlichen Fokussierung, zur organisatorischen Ausgestaltung resp. zur konkreten Positionierung des Coworking Spaces am Markt treffen zu können. Entweder muss der Betreiber des Coworking Spaces speziell in der Aufbauphase auf Impulse der lokalen Bevölkerung, der regionalen Unternehmen, der Besucher aus Partnerstädten o.ä. reagieren und den Coworking Space entsprechend organisatorisch, räumlich usw. ausgestalten. Oder der Coworking Space entspringt einer entsprechenden Initiative. In jedem Fall muss der Coworking Space maßgeschneidert (taylor made) für die lokale Situation sein.

Die Kernbotschaften des Coworking Spaces sollen in jedem Fall sein:

Der Coworking Space hat mich Euch zu tun, mit der Situation, mit den Anliegen der lokalen Bevölkerung und den lokalen Unternehmen. Der Coworking Space ist für Euch, die lokale Bevölkerung.

Der Coworking Space will unterstützen und vernetzen, Menschen und Organisationen, damit ihr Eure Ziele erreicht, um Aktivitäten im ländlichen Raum zu ermöglichen bzw. zu erleichtern – Arbeit und wirtschaftlicher Erfolg vor Ort, die Betreuung von Kinder und Senioren, Sport und Kultur, Handel, Weiterbildung und kreative Tätigkeiten uvw.

Folgende potenzielle Typen resp. Ausgestaltungen des Coworking Spaces wurden bisher identifiziert:

  • Business Hub | Unternehmen bieten Ihren MitarbeiterInnen die Möglichkeit zeitweise vor Ort (nah am Wohnort) zu arbeiten oder entsenden Projektteams
  • auf Handwerk und verarbeitendes Gewerbe fokussiert
  • auf Weiterbildung fokussiert
  • den Umgang mit Betreuungssituationen im Fokus
  • Kleinunternehmen und Unternehmensgründungen im Fokus
  • auf Kreativwirtschaft fokussiert

 

Welches Erkenntnisinteresse ist mit dem Modellvorhaben verbunden? Was sind die Leitfragen?  

  • Was sind die Erfolgsfaktoren von Coworking Spaces im ländlichen Raum?
  • Was sind die erfolgskritischen Faktoren von Coworking Spaces im ländlichen Raum?
  • Über welche individuellen oder organisationalen Fähigkeiten und Kenntnisse müssen die Akteure, insbesondere die Betreiber, verfügen?
  • Wer und welche Fähigkeiten und Kenntnisse bringen Wettbewerbsvorteile resp. machen aus einen guten Vorhaben ein außerordentlich gutes?
  • Welche Bedeutung haben Events und Vernetzung beim Aufbau und beim Erhalt des Coworking Space?
  • Welche Bedeutung haben IKT, z.B. Breitband-Internet, und Services?
  • Wie starten? Was sind erfolgreiche Startprozesse?
  • Was sind die Besonderheiten von Coworking Spaces im ländlichen Raum?

 

Erfolgsfaktoren und erfolgskritische Faktoren, soweit bekannt und konkrete Empfehlungen für den Projektplan  

Zum Markenkern: Jessica Hill Betreiberin eines Coworking Spaces im ländlichen Raum in den USA macht in ihrem Blogg sehr deutlich: Wenn Menschen, insbesondere diejenigen, die versuchen ein Unternehmen aufzubauen sich unterstützt und vernetzt fühlen, bleiben sie eher wo sie sind. Die Kernbotschaft des Coworking Spaces in Prüm – das Markenversprechen, das natürlich durch konkrete Aktivitäten einzulösen ist – sollte sein, dass die CoworkerInnen unterstützt und vernetzt werden.

Zu Fähigkeiten und Kenntnissen (Capabilities): Fallstudien zu den Projektentwicklungsprozessen von Betreiberimmobilien haben gezeigt, dass die Unvollständigkeit der für den speziellen Typ von Betreiberimmobilie notwendigen Kompetenzen einen erfolgskritischen Faktor darstellt und häufig der Rat einer auf den speziellen Typ von Betreiberimmobilie spezialisierten Person aus einem guten ein herausragendes Projekt macht, also einen Erfolgsfaktor darstellt. Auf beide Aspekte sollte die EA besonderes Augenmerk legen und ggf. externe Personen und Organisationen in die Projektentwicklung einbinden.

Fokussierung / Positionierung des Produkts: Fallstudien zu Coworking Spaces im ländlichen Raum in 2014 haben gezeigt, dass die konkrete Ausgestaltung resp. die Fokussierung des Coworking Spaces auf bestimmte Nutzungen und Communities auf lokalen Initiativen und lokalen Talenten und Besonderheiten basieren. Diese können Akteure mit bestimmten Talenten zur Unterstützung und Vernetzung sein.  D.h.: die Fokussierung des Coworking Spaces in Prüm auf bestimmte Nutzungen, auf bestimmte Unterstützungsfunktionen, auf bestimmte Communities usw., resp. die Positionierung des Produkts am Markt, muss auf Basis sehr guter Kenntnisse der vor Ort vorhandenen für ein Coworking Space geeigneten Akteure und Initiativen erfolgen. Im Idealfall erfolgt die Installierung des Coworking Sapces, der eine Organisation ist und nicht ein Raum, aus der lokalen Community heraus selbst.

Die Bedeutung des Betreiber / des Coworking Spaces als Organisation: Der Erfolg von Betreiberimmobilien, steht und fällt mit der Qualität der Betreiberorganisation, im vorliegenden Fall mit der Fähigkeit der Organisation zu unterstützen und zu vernetzen. Die Fähigkeit muss gleichzeitig individuell und in der Betreiberorganisation vorhanden sein. Da die EA den Coworking Space nicht von Mainz oder Kaiserslautern aus vor Ort betreiben kann, ist besonders viel Zeit und Sorgfalt auf die Suche nach geeigneten Betreibern zu verwenden. Expertise und bestehende Aktivitäten in einem der für die Fokussierung angedachten Funktionen (Organisation von Kinderbetreuung, Organisation von Deutschkursen o.ä.) ist eine hervorragende Ausgangsbasis, an die der Betreib des Coworking Spaces „angehängt„ werden kann, wenn er nicht sogar zur Problemlösung beiträgt.

Der Prozess der Produktdefinition und der Betreibersuche:  Die Fallstudien zu ländlichen Coworking Spaces 2014 haben die Verschiedenartigkeit der Betriebskonzepte und der inhaltlichen Fokussierung der ländlichen Coworking Spaces deutlich gemacht. Sie reichen von der staatlichen Förderung technologieorientierter Unternehmensgründungen bis zu Lösung sehr lokaler Probleme durch lokale Organisationen. Da mit dem Coworking Space in Prüm kein übergeordnetes politisches Programm, wie die Erhöhung der Anzahl erfolgreicher Unternehmensgründungen verbunden ist, wird er dann erfolgreich ein, wenn er lokale Probleme, z.B. Betreuungssituationen, löst oder lokale Chancen nutzt, z.B. die Attraktivität als Wohnort für Menschen, die in Luxemburg arbeiten.  Knowhow zum Betrieb der entsprechenden Coworking Spaces ist frühzeitig einzubinden. Sehr frühzeitig ist auch zu klären, ob Personen, Netzwerke (durchaus nicht-institutionalisierte) oder Organisationen vor Ort vorhanden sind, die den avisierten Typ Coworking Spaces betreiben können und wollen. Mitunter können Personen, Netzwerke oder Organisationen durch Weiterbildungen in die Lage versetzt werden den Betrieb des Coworking Spaces zu übernehmen. Coaching on the Job stellt in diesem Kontext eine geeignete Form des Kapazitätsaufbaus dar.

Die Organisation, die den Coworking Space vor Ort betreibt und das Markenversprechen „Der Coworking Space ist für Dich – wir unterstützen und vernetzen Dich“ – einlöst, entscheidet über den Projekterfolg.

 

Mögliche Motive von Nutzern

Die Auflistung bildet das Fundament für die Bewerbung in der ersten Runde.

(Arbeitslosenquote in der Region: 3,4%)

Arbeitnehmer

  • Wissen teilen
  • Neues kennenlernen
  • Austausch mit anderen
  • Preiswerte Arbeitsinfrastruktur
  • Weniger pendeln müssen
  • Effizienzgewinn
  • Vernetzung ermöglichen

Arbeitgeber

  • Innovationen für das Unternehmen
  • Image-Effekt
  • Möglichkeit, um Fachkräfte zu halten

Freie

  • Ideenfindung ermöglicht
  • Gründungskultur nutzen können

 

Wann ist CSP gelungen?

Coworker – C

Politik (Kommune und Land) – P

Dritte – D

Betreiber – B

Gewichtungsfaktoren von 1-3 in der ersten Phase

  • C: Vereinbarkeit von Arbeit und Leben (WLB) (3)
  • C: Betreuungsphasen (Kinder, Senioren) ermöglichen, vereinfachen (3)
  • C, P: Pendlerverkehr reduzieren (3)
  • C, P: Beitrag zur Gründerkultur (wirtschaftlich + nicht-wirtschaftlich) (2)
  • C: Vernetzen (3)
  • C, P: Lebensqualität (3)
  • C, P, D: Innovationen ermöglichen (3)
  • C: Effizienz steigern (2)
  • C: Wissen teilen (2)
  • C, P, D: Kultur des Teilens und Zusammenlebens (2)
  • C, P: Diversität, soziale Inklusion, Community (1)
  • B: Anzahl der Verträge (3)
  • B: Anzahl der Events (3)
  • B: Nutzungsfrequenz der Arbeitsplätze (2)
  • B: Bekanntheit (3)

 

Erkenntnisinteresse

  • Welcher Kompetenz-Mix soll im CSP aktiv sein?
  • (Vollständigkeit muss vorhanden sein)
  • Was ist der entscheidende Wettbewerbsvorteil?
  • Wer steht auf der Expertenliste?
  • Was sind die Erfolgsfaktoren?
  • Was sind die Erfolgs-kritischen Faktoren?
  • Bedeutung von Events und Vernetzung
  • Welche IT und Services sind wichtig?
  • Erfolgreiche Startprozesse

 

2. Workshop mit Stakeholdern

Experten aus Ministerien, Hochschule, Kammern und Verbänden haben am 22. März 2017 im Coworking „M1“ in Mainz das grundlegende Konzept für unser Prümer Modell beraten. Die Präsentationen (PDF) finden Sie hier.

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